Im Wahlkampf ist bekanntlich jedes Mittel Recht. Dazu gehört auch das Herausstellen vermeintlicher sozialer Gemeinsamkeiten, das Einteilen in Gruppen und Kategorien. Partei XY kann damit zeigen, wie nah sie (vermeintlich) ihren Wähler*innen ist, bzw. denen, von denen sie gerne gewählt werden möchte.

Sehr wahrscheinlich aus diesem Grund macht auch jetzt eine Liste die Runde, auf der dargestellt wird, welche Kandidat*innen aus welchen Parteien/Wählergemeinschaften in „Nord- oder Süd-Schierstein“ wohnen. Als Grenze wird – etwas willkürlich – die Bahnlinie herangezogen. Dabei wäre viel aufschlussreicher (wenn Grenzen überhaupt Aufschluss über irgend etwas geben können), die Grenze „Autobahn“. Denn nach dieser „Grenze“ richtet sich zum Beispiel, in welche Schule die Kinder gehen: unterhalb der Autobahn ist es für gewöhnlich die Hafenschule, oberhalb die Eichendorffschule.

Viel mehr Infos bringt uns diese „Nord-Süd-Denke“ dann aber auch schon nicht mehr. Sie sagt genauso wenig über Empathie, Interesse und Verständnis für Probleme aus wie die Einteilung nach Durchschnittsalter, Geschlechterverteilung, Lieblingsessen usw.

“Schublade auf, Schublade zu.”

Ein probates Mittel im Wahlkampf ist darum, nicht nur über Kandidat*innen sondern vor allem auch über Themen zu reden!

Und da gibt es mindestens ein Thema, das bisher noch niemand so richtig angeschnitten hat, bei dem es aber ganz sicher vollkommen egal ist, in welche Schublade (Schiersteiner-Nord-West, Freundenberger, Dotzheimer, Sauerländer usw. ) man sich stecken lässt. Davon ist der ganze Wiesbadener Westen betroffen – wenn nicht sogar ganz Wiesbaden.

Es ist das Thema Westfeld, ein enorm großes (125 Hektar) Plangebiet, zwischen Dotzheim und Schierstein auf dem sich aktuell noch städtische Grünflächen und Landwirtschaft befinden, das die Stadt aber ziemlich sicher in den nächsten Jahren komplett zupflastern will. Auf solche Projekte sollten wir unbedingt zusammen und frühzeitig schauen. Und dabei ist es wirklich egal, ob wir Schiersteiner*innen – Nord oder Süd – oder einfach nur Menschen sind, die hier leben.

Zukunft Schierstein plädiert darum auch dafür, den Kontakt zu unseren direkten Nachbar*innen, den Dotzheimer*innen (und den Biebricher*innen, Frauensteiner*innen …) zu intensivieren – und dabei denken wir nicht nur an die gewählten Politiker*innen dort. Sondern ganz konkret auch an Bürgerinitiativen – wie zum Beispiel die Dotzheimer BI, die sich für den Erhalt des Grüngebiets an der HSK einsetzt und mit der wir im engen Austausch stehen.

Da gibt es noch viel mehr, das uns alle angeht, aber leider im “Die da und wir hier” allzu oft untergeht.

Christina Kahlen-Pappas

Bildquelle: Wiesbaden 2030+ – Perspektivfläche West