Westfeld – ein neues Stadtviertel zwischen Schierstein und Dotzheim?

Aktuelles zum Westfeld finden Sie hier:
https://zukunft-schierstein.de/aktuelles-zum-westfeld/

Was wir bisher über das “Westfeld” wissen:

Das sogenannte “Westfeld”, wurde erstmals erwähnt im “Integrierten Stadtentwicklungskonzept Wiesbaden 2030+” (WISEK 2030+) von 2018. Dort wird es als Impulsraum “Perspektivfläche West” bezeichnet.

Auf dieser Seite informieren wir Sie über:

Lage

Die „Perspektivfläche West“ ist das Gebiet zwischen Saar- und Schönaustraße, zwischen Autobahn und Willi-Werner-Straße, teils auf Schiersteiner, teils Dotzheimer Gemarkung.

Quelle: WISEK 2030+, S. 97.

Das Areal wird derzeit vor allem für Gartenbau, Landwirtschaft und von Kleingärtnern genutzt.

Es ist 125 Hektar groß. Laut Bericht im Wiesbadener Kurier (WK) vom 28. Februar 2022 gehören 43 Prozent des Areals der Stadt. Das Land Hessen besitzt im Süden zur Autobahn hin mehrere Grundstücke, der Rest ist in Privatbesitz.

Sogenanntes “Entwicklungs-Potenzial”

Laut WISEK 2030+:

  • 3.000 Wohnungen (entspricht ca. 6.000 Einwohner*innen)
  • Gewerbe

Weitere aktuelle Pläne laut Bericht im WK:

  • neuer Standort für mehrere Einrichtungen der Landespolizei

„insbesondere als ein möglicher neuer Standort für die Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (ehemalige Polizeischule), die Mudra-Kaserne der Hessischen Bereitschaftspolizei und das Polizeipräsidium für Technik an. Für die Polizeibehörden sei vor allem der südliche Teil der Perspektivfläche West [direkt oberhalb von Schierstein] interessant.“

Stand des Projekts

Angeblich ist das Projekt noch in „einer sehr frühen Phase“ (Zitat Oberbürgermeister Mende im WK-Bericht).

Die Ortsbeiräte Schierstein und Dotzheim wurden am 21. März 2022 unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem gemeinsamen Arbeitstreffen informiert, an dem unter anderem auch Oberbürgermeister Mende (in seiner Funktion als Stadtplanungsdezernent), die verantwortlichen Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes, ein Vertreter des Innenministeriums des Landes Hessen und ein Vertreter des mit der Klimaanalyse beauftragten Instituts INKEK teilnahmen.

Die Ortsbeiräte haben am 21. März 2022 um eine zeitnahe Information der Öffentlichkeit gebeten, die nun voraussichtlich in diesem Sommer im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung stattfinden soll.

Laut WK-Bericht steht das Land Hessen (Innenministerium in Abstimmung mit dem Finanzministerium) „seit einigen Monaten in einem engeren Austausch mit der Stadt. Die genannten Polizeibehörden nutzten heute etwa 19 Hektar an Grundstücksfläche. Eigentümerinnen der Polizeiliegenschaften sind heute die Immobiliengesellschaften Patrizia und Perial aus Frankreich. Die Mietverträge laufen bis 2036, in einigen Fällen bestehen vorzeitige Kündigungsoptionen.“

„Für die Stadt biete ein Umzug neue Möglichkeiten an den bisherigen Flächen“, heißt es im Wiesbadener Kurier. Inwieweit die Stadt dort Einflussmöglichkeiten haben soll (z.B. auf sozialen Wohnungsbau), obwohl diese bisherigen Flächen französischen Immobiliengesellschaften gehören, wird nicht beschrieben.

Wie es am Westfeld weitergeht wird auch maßgeblich vom neuen Flächennutzungsplan abhängen, der etwa 2024 beschlussreif sein könnte.

Bedeutung für das Stadtklima

Es ist ein Gebiet mit außerordentlich hoher Bedeutung für unser Stadtklima.

Das Umweltamt der Stadt Wiesbaden bezeichnet es in seinen Klimakarten als:

  • Kalt- und Frischluftentstehungsgebiet (Klimafunktionskarte)
  • Umnutzungen baulicher Art müssen aus klimafunktionalen Gründen grundsätzlich ausgeschlossen bleiben (Klimavorrangkarte)
  • Vorrangzone: große Bedeutung für die Abkühlung und Belüftung, hohe Empfindlichkeit (Klimabewertungskarte mit Planungshinweisen)
  • Flächen mit unverzichtbarer/erheblicher Bedeutung: Gefahr zur Verknüpfung von Überwärmungsgebieten durch bauliche Entwicklungen (Klimavorrang und Empfindlichkeit der Bevölkerung)
Ausschnitt aus der Karte Klimavorrang 2017 und bioklimatische Belastung 2017 (gelbe Umrandung hinzugefügt – zeigt die Ausdehnung „des Westfelds“)

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept der Stadt Wiesbaden deklariert Flächen im Westfeld als:

  • sensible Freifläche
  • Fläche mit erheblicher Bedeutung für die Belüftung Wiesbadens
  • freizuhaltende Grünverbindung (insbesondere aufgrund klimatischer Bedingungen)

Bedeutung für die Landwirtschaft

Der gültige Flächennutzungsplan weist vor allem die südlichen Flächen des Gebiets oberhalb der Autobahn zwischen Saarstraße und Schönaustraße als Flächen für den Erwerbsgartenbau aus. Dort werden aktuell Flächen von Gartenbaubetrieben bewirtschaftet, die unter anderem auch zur regionalen Versorgung mit Obst und Gemüse beitragen. Die Böden gelten als besonders hochwertig.

Der “Bodenviewer” des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) weist für diese südlichen Flächen des “Westfelds” den höchsten “Funktionserfüllungsgrad” in der “Bodenfunktionsbewertung” aus. Der Kartenausschnitt zeigt die betrachteten Flächen in einem “Ampelsystem”: rote Flächen möglichst frei halten. Näheres zur Bodenfunktionsbewertung findet sich hier:

Reaktionen

Die ersten Reaktionen auf die Pläne, das Westfeld zu bebauen sind teils skeptisch bis kritisch.

Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen e.V. (GVBWH)

Der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen e.V. (GVBWH) hat sich am 15. März 2022 mit einer Stellungnahme an die Ortsbeiräte Schierstein und Dotzheim gewandt. Der Verband vertritt im Westfeld ansässige Familienbetriebe, die sich um ihre Existenz sorgen angesichts der Pläne. Der GVBWH weist darauf hin, dass diese “Betriebe seit vielen Jahrzehnten gartenbauliche Produkte vor Ort erzeugen. Hierbei handelt es sich u.a. um Zierpflanzen, aber auch um Salat und Gemüse, die regional vermarktet werden. Nicht nur die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig die heimische Produktion von Obst und Gemüse ist. Auch mit Blick auf den Klima- und Umweltschutz steigt die Bedeutung an regionalen Lebensmitteln.” Mit der Umsetzung der Pläne für das Westfeld sieht der Verband die Gefahr, “dass wichtige Anbauflächen für heimisches Gemüse wegfallen, was sich für die betroffenen Betriebe sehr stark existenzgefährdend auswirkt, da eine effiziente Bewirtschaftung von möglichen Ersatzflächen kaum möglich ist. Außerdem würden den Betrieben jegliche Entwicklungs- bzw. Erweiterungsmöglichkeiten genommen.”

Schiersteiner Ortsbeirat

Auch der Schiersteiner Ortsbeirat sieht bei dem Projekt fraktionsübergreifend viele offene Fragen – unter anderem die Bebauung betreffend, aber auch bzgl. der zusätzlichen Verkehrsbelastung, der Versiegelung wertvoller Böden und nicht zuletzt bzgl. der Auswirkungen auf das Klima in Schierstein. Zu Ortsbeiratssitzung am 27. April 2022 stellen alle Fraktionen einen gemeinsamen Antrag mit Fragen um “Westfeld”:
03-2022, Gemeinsamer Antrag Westfeld

Dotzheimer Ortsbeirat

Im Dotzheimer Ortsbeirat haben sich die Grünen kritisch positioniert. In einem Beitrag im Wiesbadener Kurier vom 30. März 2022 werden sie wie folgt zitiert: „Wenn wir als Grüne ernsthaft gegen die Folgen des Klimawandels kämpfen wollen und uns gegen die Überhitzung unserer Städte und des urbanen Raums einsetzen wollen, dann ist ein Projekt, das durch so große zusätzliche Versiegelungen und bauliche Verdichtungen zur vollständigen Verknüpfung von bereits vorhandenen Überwärmungsgebieten führt, nicht vertretbar.“

Impressionen

Das Bündnis Stadtklima hat auf seiner Homepage einige Impressionen zum Westfeld veröffentlicht:
http://www.buendnis-stadtklima.de/impressionen-vom-westfeld/