Manche haben es schon gesehen: Der ehemalige Fahrradweg auf dem Hans-Römer-Platz wurde bemalt. Baumstämme, die sich den Weg entlangwinden, malten Roman Cebaus und Ben Reuter in den letzten Mai-Tagen 2026. Wer ihnen zuschauen wollte, musste eine Nachteule sein, denn die beiden malten nur am späten Abend und in der Nacht.



Doch, was haben Baumstämme an unserem Hafen zu suchen?
Vor nicht allzu langer Zeit noch recht viel, denn nach der Fertigstellung des Hafens im Jahr 1858 hatte sich Schierstein zu einem Holzumschlagplatz entwickelt.
Damals kamen Flößer nach Schierstein, Männer die meist aus den Wäldern der Mittelgebirge stammten. Sie reisten mit mittelgroßen Flößen über Main und Neckar bis zu den Umschlagplätzen am Rhein – und auch bis nach Schierstein. Im Hafen angekommen bauten sie dann aus den vielen mittleren Holzflößen und aus Baumstämmen aus dem Taunus riesige Flöße zusammen.
Die Stämme, die aus dem Taunus hier angefahren wurden, mussten aber zunächst noch behauen und geschält werden. Hierzu rollte man sie in eine Vertiefung in der Uferböschung. Die Malerei hier auf dem Hans-Römer-Platz soll eine solche Szene nachstellen.
Auch der Name der Straße oberhalb des Hans-Römer-Platzes erinnert daran, dass hier Baumstämme ins Wasser gerollt wurden: Es ist die „Wasserrolle“.
Nach der Bearbeitung wurden die Stämme in provisorisch abgegrenzten Wasserbecken mit Tauen, gedrehten Weidezweigen, eisernen Klammern und langen Nägeln zu Flößen verbunden. Fast wöchentlich verließen so ein oder zwei fertiggestellte Flöße den Hafen.
Mit fortschreitender Technik wurden neue und vor allem schnellere Transportmittel genutzt, um Holz zu transportieren. Um die Jahrhundertwende wurden darum schon immer seltener Flöße gebaut. Das letzte Floß verließ – unbemerkt von den Menschen in Schierstein – 1955 den Hafen.
Die Idee zur Gestaltung hat Roman Cebaus für die AG Hafenstraße entwickelt. Die AG setzt sich aus Mitgliedern des Ortsbeirats sowie einigen Schiersteiner Vereinen und Initiativen zusammen, die sich mit der Aufwertung des Hafenumfelds befassen. Das Anliegen hier war es, die optische Unterteilung des Platzes durch den ehemaligen Fahrradweg zu durchbrechen.