Die schlechte Wasserqualität und vor allem der starke Algenbewuchs im Schiersteiner Hafen waren im Juni 2026 erstmals der Grund zur Absage der Großen Wiesbadener Kanuregatta. Die Gegebenheiten ließen (und lassen immer noch) keine regulären Wettkampfbedingungen zu, erklärte der Ausrichter der Regatta, der Wassersport Verein Schierstein. Betroffen waren 500 Sportler aus 40 Vereinen. Der Schiersteiner Wassersportverein hat nun im Zuge der Absage dringend an die Stadt appelliert, die Situation im Hafen zu verbessern.
Und dies ist eine Situation mit Ansage. In jedem Sommer hat Schierstein dieses Problem, das in diesem Jahr durch Niedrigwasser und häufigere und vor allem immer früher einsetzende Hitzewellen bereits im Frühjahr auftrat.
Seit Jahren versucht der Ortsbeirat Schierstein die Stadt zur Lösung des Problems zu bewegen – bislang ohne Erfolg. Im Herbst letzten Jahres beauftragte der Ortsbeirat Schierstein schließlich auf eigene Kosten die Firma blueplanet mit der Beprobung des Hafenwassers. Blueplanet bekämpft Schadstoffe in Gewässern mit Enzymen und Bakterien und setzt auf die Unterstützung von Nanobubbles (kleinste Sauerstoffteilchen), diese Methode wurde z.B. bereits erfolgreich in Rüsselsheim durchgeführt. Das Gutachten ergab eine sehr starke Überdüngung des Hafenwassers und die kommt nicht nur vom Lindenbach: Eine zum Teil bis zu einem halben Meter dicke Schlammschicht am Hafengrund führt zur Sauerstoffminimierung – zudem lagern dort Schwermetalle wie Zink, Cadmium, Blei und Quecksilber.
Dem Umweltamt liegt das blueplanet-Gutachten vor – leider konnte das Unternehmen die zusätzlichen Fragen des Amtes zum Gutachten noch nicht beantworten. Für blueplanet ist derzeit Hochsaison bei der Sanierung von Gewässern in Orten und Städten für die eben diese Sanierung offenbar mehr Priorität hat als bislang für die hessische Landeshauptstadt.
Hilfreich wäre sicher, wenn nicht nur der Ortsbeirat und einzelne Vereine gegenüber der Stadt auf eine Lösung drängen, sondern wenn es hierzu ein geschlossenes Handeln zumindest aller Hafenanlieger gäbe.
Denn, auch wenn mancher das in den sozialen Medien glaubhaft versichern möchte: Die Schiffsschrauben der Motorboote am Hafen sorgen nicht für die nötige Sauerstoffzufuhr im Hafen. Stattdessen haben auch die Motorboote massive Probleme mit den Algen.
Zu hoffen bleibt, dass der Wassersport im Hafen nicht komplett untersagt wird, was bei einer weiteren Verschlechterung der Wasserqualität geschehen könnte. So zumindest die Aussage eines Mitarbeiters des Umweltamtes bei einem Vorort-Termin mit dem Ortsbeirat im vergangenen Jahr.
Claudia Wagner