Der Status quo am Schiersteiner Hafen ist inzwischen hinlänglich bekannt: Die Algenplage sorgt für massive Einschränkungen. Wassersportler, Gewerbetreibende, Anwohner und nicht zuletzt die Natur sind betroffen. Doch was sind die Ursachen und wie könnte nachhaltig Abhilfe geschaffen werden?


Mögliche Gründe für die schlechte Wasserqualität gibt es viele. Ihre Wirkung auf die Algenbildung mag unterschiedlich stark sein, aber zusammen könnten sie das verheerende Bild im Hafen ausgelöst haben:

Einige Ursachen können wir nicht beeinflussen, dazu zählen etwa zu geringe Niederschläge – nicht nur im Sommer, sondern über das ganze Jahr – sowie häufige und immer früher einsetzende Hitzewellen, die für Niedrigwasser und starke Algenbildung im warmen Hafenwasser sorgen.

Ein Grund könnte auch der Lindenbach sein. Dabei ist sein Beitrag zur Qualität des Hafenwassers ambivalent: Zunächst einmal könnte es grundsätzlich gut sein, dass eine Wasserzufuhr in den Hafen besteht, auch wenn diese inzwischen ebenfalls durch ausbleibende Niederschläge, aber auch durch Wasserentnahmen am Grunsels Börnchen oder im Bachverlauf selbst auf ein Minimum geschrumpft ist. Andererseits ist der Lindenbach durch Phosphat belastet, was wiederum zu einer Überdüngung des Hafenwassers und damit zum Algenwachstum führt. Zudem wird bei starken Regenfällen, die von der Kanalisation nicht vollständig aufgenommen werden, Mischwasser (ein Gemisch aus Schmutzwasser und Niederschlagswasser) in den Lindenbach eingeleitet.

Schließlich – auch wenn es hierzu klare Regelungen gibt, insbesondere in den Vereinssatzungen – ist es nicht ausgeschlossen, dass durch Boote im Hafen sogenanntes Grauwasser (Spül- und Duschwasser) und Schwarzwasser (menschliche Ausscheidungen) in das Hafenwasser gelangen.

Eine Besonderheit des Schiersteiner Hafens ist zudem die bis zu einen halben Meter dicke Schlammschicht im Westhafen auf dem Hafengrund, die den Sauerstoffgehalt des Wassers negativ beeinflusst. Zusammen mit der negativen Auswirkung des Algenwachstums auf den Sauerstoffgehalt, kann das zu einer Gefahr für die Fische im Hafen werden.

Was tun?

Die Eigeninitiative der Vereine, die mit Mähbooten versuchen, die Algen zurückzudrängen, ist ein positives Signal, kann aber leider nur kurzfristig für Entlastung sorgen. Es muss eine nachhaltige Lösung gefunden werden – und die kann es nur im Zusammenspiel aller Verantwortlichen geben, zu denen natürlich auch die Stadt Wiesbaden und der Bund gehören, denen der Hafen zu unterschiedlichen Anteilen gehört.

In einem Gutachten, das der Ortsbeirat Schierstein bereits im November 2025 von einer Firma eingeholt hat, die biologische Methoden zur Wasserverbesserung einsetzt, werden die drei folgenden konkrete Maßnahmen zur Abhilfe betrachtet und beurteilt:

a. Mechanische Maßnahme: Voll- oder Teilbaggerung,
Vorteil: Schnelle Volumenreduzierung, sichere Stoffentnahme, klare Nachweisbarkeit.
Nachteil: Hohe Kosten, starke ökologische Störung, Entsorgungsproblem.
Ohne Eingriffe in die Ursachen, langfristig Rückkehr der Wasserproblematik.

b. Chemisch-technische Maßnahme:
Vorteil: Algenwachstum wird schnell reduziert
Nachteil: Auswirkungen auf das Ökosystem und die Gesamtheit der im Wasser lebenden Lebewesen. Metalle verbleiben im Schlamm. Ohne Eingriffe in die Ursachen könnten die chemischen Maßnahmen immer intensiver werden.

c. Biologische Behandlung mit Bakterien, Enzymen, Zufuhr von Sauerstoff:
Vorteile: Minimal invasiv, Reduzierung des Schlammes auf natürliche Weise, Metalle setzten sich ab. Kostengünstiger als a. und b.
Nachteil: Wirkung erst in 1-3 Jahren, in dieser Zeit ist fachliche Begleitung und Monitoring erforderlich. Metalle verbleiben werden aber stabilisiert.

Dann gibt es noch die vieldiskutierte Variante des Durchflusses bzw. Durchstichs vom Rhein zum Hafen. Vorteil wäre der Wasseraustausch im Hafen. Nachteil könnte sein: Bei Niedrigwasser hätte der Durchstich weniger  Wirkung, zudem könnte er vor allem das belastetere Mainwasser in den Hafen bringen, da die Vermischung von Rhein- und Mainwasser erst entscheidend nach der Mündung stattfindet.

Das durch den Ortsbeirat Schierstein beauftragte Gutachten liegt der Stadt Wiesbaden vor. Ein inhaltliches Gespräch hierzu zwischen Vertretern der Stadt und dem Ortsbeirat hat bislang nicht stattgefunden. Stattdessen wollten sich die zuständigen Ämter der Stadt Wiesbaden mit dem Regierungspräsidium und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Anfang Juli treffen, um über die Wasserqualität und das Algenwachstum im Schiersteiner Hafen zu sprechen. Zu diesem Termin ausdrücklich nicht eingeladen waren der Schiersteiner Ortsbeirat und die Betroffenen Hafenanlieger.

Das Ergebnis dieses Termins mit Stadt, Landes- und Bundesbehörde ist öffentlich nicht bekannt.

Claudia Wagner

Privacy Preference Center