Die Probleme im Westen und Osten Wiesbadens sind sehr ähnlich. Darum informieren die beiden Initiativen

Aktionsgemeinschaft „Hände weg von Os/Ka“

und

Zukunft Schierstein

in einer gemeinsamen Presseerklärung darüber, wie es um die Wiesbadener Landwirtschaft steht.

Der komplette Text der Erklärung hier als PDF:

PM Erntedank, Hände weg von OS/KA und Zukunft Schierstein, 22.9.22

Oder direkt zum nachlesen:

Erntedank? Um die Zukunft der Wiesbadener Landwirtschaft steht es schlecht

In Wiesbaden wird an diesem Wochenende das Erntedankfest am Warmen Damm gefeiert. Doch fernab des bunten Fests mitten in der Stadt kämpfen Gartenbaubetriebe und Landwirte um ihre landwirtschaftlichen Flächen. Das bislang vorrangig landwirtschaftlich genutzte Ostfeld ist inzwischen seit Jahren als Baugebiet im Gespräch und höchst umstritten. Nun wird es auch im Wiesbadener Westen, bei den Schiersteinern, Dotzheimern und Frauensteinern, immer enger. Die ansässigen Betriebe müssen um ihre Existenzen bangen. Das alles hat natürlich auch Konsequenzen für die Nahversorgung mit Lebensmitteln in Wiesbaden.

Laut statistischem Jahrbuch der Stadt Wiesbaden 2022 (Seite 9, Stadtgebiet und Fläche) sind allein von 2017 bis 2021 insgesamt mehr als 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche verlorengegangen.

Dreimal so viele landwirtschaftliche Flächen – insgesamt 300 Hektar – stehen allein mit den Planungen zum Ostfeld und Westfeld auf dem Spiel: Werden die Pläne für das Ostfeld umgesetzt, könnten nochmal 220 Hektar konventionell genutzte landwirtschaftliche Fläche wegfallen. Eine Bebauung des Westfelds würde 80 Hektar landwirtschaftliche Fläche, auf der insgesamt 125 Hektar großen Fläche vernichten, so die Berechnungen einiger Wiesbadener Landwirte.

Felder am Ostfeld

Den Landwirten im Ostfeld droht, dass sie über das Instrument „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM)“ gezwungen werden, ihre Flächen zu geringsten Preisen (3-12 €/m²) an die Stadt zu „verkaufen“. Für die Betroffenen kommt das einer Enteignung gleich. Die Betriebe im Westfeld müssten größtenteils erst gar nicht „enteignet“ werden, da sie auf (oft von der Stadt) gepachteten Flächen anbauen.

Zwar stellt die Stadt den Betrieben Ersatzflächen in Aussicht, doch diese wurden bisher weder konkret benannt, noch dürften sie auf Wiesbadener Gebiet liegen. Denn hier ist schlichtweg nichts mehr vorhanden. Das erhöht auch den Druck auf Landwirte, die nicht unmittelbar in den betroffenen Gebieten von Ostfeld und Westfeld ansässig sind. Sie fürchten Eingriffe auch in ihre Flächen und Umverteilungen (siehe Wiesbadener Kurier „Landwirte kämpfen um Land“ vom 21. September 2022 – auch online).

Dabei spielt auch die Qualität der Böden eine gewichtige Rolle, die in Ost- und Westfeld besonders hochwertig sind.

Hinzu kommt, dass die Umsiedlungen nicht nur die Anbauflächen, sondern – zumindest bei den Gartenbauern im Westfeld – auch die Betriebsstätten und Wohnhäuser betreffen. Diese müssten  ebenfalls den Bebauungsplänen der Stadt weichen und könnten in Zeiten steigender Baupreise kaum wirtschaftlich an anderer Stelle wieder errichtet werden.

Gleichzeitig hemmen die städtischen Pläne die Fortentwicklung und Investitionsfähigkeit der Betriebe. Denn alles hängt in der Schwebe.

Welche Auswirkungen das alles schließlich auf die Nahversorgung mit Lebensmitteln in Wiesbaden hat, kann sich jeder ausmalen, der in einem der diversen Hofläden oder auf dem Wochenmarkt bei den Wiesbadener Betrieben sein Obst und Gemüse kauft.

Felder am Westfeld

Der Landwirt Adolf Born aus Erbenheim rechnet zudem vor, dass auf den bedrohten Flächen im Ostfeld rund 1.000 Tonnen Getreide pro Jahr erzeugt werden – Getreide für 12.000 Menschen (Der Pro-Kopf-Konsum von Getreide in Deutschland beträgt 83,2 kg pro Jahr).

Dabei spricht der Kooperationsvertrag von Grünen, SPD, Linken und Volt eine ganz andere Sprache: „Wir fördern die lokale Erzeugung von Nahrungsmitteln“ und „Stärkung der landwirtschaftlichen Direktvermarktung über Hofläden, Märkte und Stände“. Das alles klingt nach Hohn vor dem Hintergrund der Pläne der Stadt Wiesbaden für Ostfeld und Westfeld.

 

Kontakt:

Philipp Pfefferkorn
für die Aktionsgemeinschaft „Hände weg von Os/Ka“

Mail: philipp.pfefferkorn@t-online.de

weitere Veröffentlichungen der Aktionsgemeinschaft:
www.buendnis-stadtklima.de/haende-weg-von-oska/

 

Christina Kahlen-Pappas
für die Initiative Zukunft Schierstein

Mail: info@zukunft-schierstein.de

www.zukunft-schierstein.de