Die Stadt Wiesbaden hat einen Spielplatzbericht „Unsere Stadt bewegt“ herausgegeben. Die Daten hierzu wurden 2024 erhoben. Damit soll nun feststehen, wo dringender, mittlerer oder gar kein Handlungsbedarf in Sachen Spiel- und Aktionsflächen ist. In Schierstein – so der Bericht – sei nicht alles prima, aber der Handlungsbedarf doch nicht so dringend. Allerdings ergeben sich beim Blick in den „Steckbrief“ für Schierstein einige Fragen und das Gefühl, die Basisdaten zur Berechnung der Schiersteiner Spielflächen, entsprechen nicht ganz der Realität oder zumindest nicht der Wahrnehmung Ortskundiger. So wird die „Ist-Spielfläche“ für Schierstein mit 21.444 qm angegeben. Darunter die sieben bekannten Spielplätze, die auch in der städtischen Spielplatzbroschüre genannt werden:
- Elbestraße (1.682 qm)
- Heinrich-Heine-Straße (2.353 qm)
- Mümmelmannweg (1.924 qm)
- Moselstraße (3.736 qm)
- Emil-Dietz-Straße (330 qm)
- Schneebergstraße (306 qm)
- Söhnleinanlage (1.291 qm)

Zusammengerechnet ergeben die jedoch nur 11.622 qm, also etwa halb so viel wie die angeblich vorhandene Spielfläche (21.445) und nur ein Drittel der im Bericht für Schierstein geforderten „Soll-Spielplatzfläche“ von 33.534 qm (3 qm je Einwohner).
Wie kommt das?
Anders als die Spielplatzbroschüre rechnet der Spielplatzbericht die vermutlich unter „Aktionsflächen“ gedachten, aber eben noch nicht fertigen Flächen unter der Schiersteiner Brücke mit 3.139 qm, einen in die Jahre gekommenen „Stolperfallen“-Bolzplatz an der Freudenbergstraße mit 3.654 qm und die Bremser-Anlage als Spielpunkt ein. Dieser „Spielpunkt“ bleibt im Steckbrief des Berichts ohne Flächenangabe, schlägt aber offenbar mit weiteren 3.040 qm zu Buche, denn anders lässt sich die angebliche „Ist-Spielplatzfläche“ nicht erreichen.
Warum ist das wichtig?
Der Spielplatzbericht errechnet aus dem Vergleich von angeblicher Ist- und Soll-Fläche ein Defizit von 12.089 qm. Das entspreche dann einem Versorgungsgrad von 63,9 %, womit in Schierstein eine mittlere Unterversorgung bestehe. Würden allerdings nur die wirklich als Kinderspielplätze existierenden sieben Flächen eingerechnet, läge das Defizit fast doppelt so hoch bei 21.912 qm und der Versorgungsgrad läge nur noch bei rund 35 Prozent. Damit wäre Schierstein dann nicht mehr im städtischen Durchschnitt, sondern weit darunter und statt der angeblichen mittleren Unterversorgung, hat Schierstein in der Realität eine hohe, wenn nicht gar sehr hohe Unterversorgung.
In Schierstein ergäbe sich damit ein deutlich höherer Handlungsbedarf für Spielplätze als der Bericht, der als Arbeitsgrundlage für städtische Entscheidungen herangezogen werden dürfte, suggeriert.
Simone Grün


