Am 28. Oktober 2026 hat sich zum ersten Mal der angekündigte Runde Tisch zum Hafen getroffen. Auslöser waren die massiven Einschränkungen für den Schiersteiner Wassersport durch die Kanadische Wasserpest im Hafenbecken.

Die Beeinträchtigungen gingen im Sommer und Frühherbst so weit, dass sowohl die Kanu- als auch die Ruderregatta der anliegenden Vereine abgesagt werden mussten. Aber auch für die kommerziellen Anlieger, Gastronomen und Bootsverleiher war die Lage kein Aushängeschild. Daran konnte selbst ein auf Kosten der Wassersportvereine im Hafen eingesetztes Mähboot mittelfristig nichts ändern. Grund genug für die betroffenen Hafenanlieger, gemeinsam mit dem Ortsbeirat die Stadt Wiesbaden ins Boot zu holen, um eine nachhaltige Lösung für das Problem zu finden.

Wie Urban Egert, Schiersteiner Ortsvorsteher, in der Ortsbeiratssitzung am 4. November 2026 berichtete, wird es diese Lösung nicht so schnell geben wie erhofft: „Wir werden einen langen Atem brauchen, um hier voranzukommen“, fasste er das Ergebnis des ersten Runde Tischs zusammen. Dieser fand Ende Oktober unter Federführung der Stadt Wiesbaden mit Umwelt- und Sportamt und zusammen mit Vertretern des Regierungspräsidiums, des Wasser- und Schifffahrtsamtes sowie dem Ortsvorsteher und Vertretern der wassersporttreibenden Vereine statt.

Ursachen der Wasserpest noch unklar

Zunächst habe die Ursachensuche im Mittelpunkt gestanden. Klar sei, dass das Schiersteiner Hafenwasser zu viel Phosphat enthalte, wodurch das Pflanzenwachstum begünstigt werde. In Kombination mit niedrigen Wasserständen, durch die mehr Licht zu den Pflanzen vordringt, und den hohen Wassertemperaturen biete der Schiersteiner Hafen ideale Wachstumsbedingungen für die Wasserpest. Woher die hohe Phosphatbelastung stamme, müsse allerdings noch abschließend geklärt werden.

Die Quelle des Phosphats könnte zum einen der Lindenbach sein, der Einträge aus der Landwirtschaft, den Freizeitgärten oder aus den Überläufen der Entwässerung in Frauenstein mit sich bringe. Allerdings seien die Phosphatmengen, die der Lindenbach mitführe, nicht groß genug, um das Problem im Hafen in diesem Maße verursachen zu können. Zweiter „Verdächtiger“ sei das Mainwasser, das bei Mainz-Kostheim in den Rhein mündet und von dort in Richtung Schiersteiner Hafen fließt. Da sich das Mainwasser nicht sofort vollständig mit dem Rheinwasser vermischt, kann es als sogenannte Mainwasserfahne auch flussabwärts noch eine eigenständige Wasserqualität aufweisen und möglicherweise zur Phosphatbelastung des Hafens beitragen. Als mögliche Mitverursacher seien beim Runden Tisch zudem die Vogelwelt mit ihren Hinterlassenschaften, aber auch die Freizeitboote genannt worden, die möglicherweise – unerlaubt – Fäkalien direkt im Hafen verklappen.

Erst wenn die Ursachen genau bekannt seien, könnten langfristige Lösungen entwickelt werden.

Mähboot nur bedingt eine Lösung

Kurzfristig könnte wieder ein Mähboot zum Einsatz kommen, das allerdings erneut angemietet werden müsste – auf Kosten der Vereine. Allerdings sei auch das nur begrenzt hilfreich und nicht immer ohne Weiteres einsetzbar. So müsste vor allem zwischen April und Juni der Fischlaich, der zwischen den Wasserpflanzen abgelegt worden sein könnte, geschützt werden. In anderen Bundesländern sei darum das Mähen in dieser Zeit verboten. In Schierstein könnte voraussichtlich gemäht werden – allerdings nicht die gesamte Wasserfläche.

Weitere Messungen notwendig

Das vom Ortsbeirat auf eigene Kosten bereits im Herbst 2025 eingeholte Gutachten der Firma Blue Planet sei beim ersten Termin des Runden Tischs nur kurz zur Sprache gekommen. Der Stadt reichten die vorgelegten Messdaten nicht; es müssten weitere Messungen vorgenommen werden. Wer die Kosten dafür übernehmen soll, wurde allerdings nicht besprochen. Aktuell seien für solche Maßnahmen bei der Stadt jedenfalls keine Gelder verfügbar.

Das Sportamt wolle daher im zuständigen Ausschuss die Bereitstellung von Mitteln für die weitere Arbeit des Runden Tisches beantragen.

Außerdem soll eine Hochschule angefragt werden, die sich im Rahmen eines studentischen Projekts mit dem Hafenwasser und möglichen ganzheitlichen Lösungsansätzen befassen könnte.

Hafeneinfahrt wird ausgebaggert

Eine positive Wendung, die zwar nicht mit der Wasserqualität, sondern der Wassertiefe zu tun hatte, habe es immerhin noch ganz am Schluss der Besprechung gegeben: Das Wasser- und Schifffahrtsamt wird die Hafeneinfahrt ausbaggern, um die Ein- und Ausfahrt trotz der anhaltenden niedrigen Wasserstände zu gewährleisten.

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