Sanierung des Schiersteiner Hafens ernsthaft prüfen

"Die Stadt sollte eine Sanierung des Schiersteiner Hafens ernsthaft prüfen", meint Redakteurin Anke Hollingshaus in ihrem Kommentar vom 19. Februar 2026 im Wiesbadener Kurier. Der Schiersteiner Ortsbeirat sieht das ähnlich und hat darum die Ergebnisse der von ihm veranlassten und finanzierten Beprobung des Hafenwassers an das Wiesbadener Umweltamt weitergegeben. Nun ist die Stadt am Zug.

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Ortsbeirat will Gehwegparken erreichen

In seiner Sitzung am Mittwoch, 28. Januar 2026, berät der Schiersteiner Ortsbeirat über einen Dringlichkeitsantrag zum Parken in Schierstein.

02-2026 Antrag Parken

Anlass sind die am 22. Januar 2026 durch die Stadt Wiesbaden aufgestellten Parkverbotsschilder in der Ehrengartstraße. Mit einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen im Schiersteiner Ortsbeirat soll die weitere Umsetzung von ähnlichen Maßnahmen zum Parkverbot in Schierstein mit sofortiger Wirkung gestoppt werden. Die bereits in diesem Zusammenhang in der Ehrengartstraße eingerichteten Verkehrszeichen sollen außer Kraft gesetzt bzw. abgedeckt werden.

In einer öffentlichen (Sonder-)Sitzung des Schiersteiner Ortsbeirats soll das Verkehrsdezernat erläutern, welches Gesamtkonzept zum Parken in Schierstein verfolgt wird. Vor allem soll das Dezernat darlegen wie und wo das Gehwegparken (Parken mit zwei Rädern auf dem Bordstein) erlaubt und entsprechend eingerichtet werden kann. Dabei sollen Fragen und Anregungen nicht nur des Ortsbeirats, sondern auch der Schiersteiner Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden.

Im Anschluss an diese Information und Beratung soll dem Schiersteiner Ortsbeirat ein Konzept zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Hintergrund dieses Antrags ist das (teilweise) Parken auf den Bürgersteigen in Schierstein, das mindestens seit November 2024 eins der beherrschenden Themen im Ort ist. Nachdem seit Jahrzehnten das halbseitige Parken auf den Gehwegen in unserem Ortsteil Usus war und offenbar geduldet wurde, ahndete die Stadt Wiesbaden das Gehwegparken nun ohne zuvor den Ortsbeirat oder die Bürgerinnen und Bürger auf die neue Praxis hinzuweisen. In Schierstein sorgte diese plötzlich und unangekündigt geänderte Praxis für Ärger.

Der Ortsbeirat suchte darum eine konstruktive Lösung, um regelkonformes Parken zu ermöglichen und dabei möglichst viele Parkflächen in Schierstein zu erhalten. Letzteres wäre durchaus möglich, da nach den durch den Ortsbeirat selbst durchgeführten Messungen in vielen Straßen, in denen das Gehwegparken seit Jahrzehnten praktiziert und geduldet wurde, die Bürgersteige breit genug sind, um zum Beispiel ein Parken (mit 2 Rädern) auf dem Bürgersteig ausdrücklich zu erlauben und entsprechend zu kennzeichnen.

Der Ortsbeirat nahm daher bereits Ende 2024 Kontakt zum Verkehrsdezernat auf, legte dort die Messungen zum möglichen erlaubten Gehwegparken vor und bat um einen dringenden Termin, damit ein Konzept zur Umsetzung des rechtskonformen Gehwegparkens in die Wege geleitet werden könnte.

In einem Termin im Frühjahr 2025 erläuterte das Dezernat den Ortsbeiratsmitgliedern der „AG Verkehr“ mündlich Ideen zu einem Konzeptentwurf und sagte zu, wenig später dem Ortsbeirat ein Konzept zur weiteren Beratung zur Verfügung zu stellen.

Trotz mehrfacher dringlicher Rückfragen wurde dem Schiersteiner Ortsbeirat nie ein Konzept vorgelegt. Stattdessen begann die Stadt am 22. Januar 2026 OHNE vorherige Beschlussfassung oder andere Befassung des Ortsbeirats oder auch nur eine blanke Information des Ortsbeirats mit der Umsetzung von Maßnahmen zum Parken (Parkverbot auf einer Straßenseite) in der Ehrengartstraße. Auch das weitere Konzept zum Parken ist dem Ortsbeirat bis heute nicht bekannt. Geschweige denn konnten sich die Schiersteiner Bürgerinnen und Bürger bzw. stellvertretend der Ortsbeirat mit einem Konzept auseinandersetzen. Die eigentlich angedachten Verbesserungen bzgl. einer rechtskonformen Parksituation, die durch eingezeichnete „Gehwegparkplätze“ hätte erreicht werden können, sind damit genau ins Gegenteil verkehrt worden. Das will der Schiersteiner Ortsbeirat mit seinem Antrag in der Sitzung am 28. Januar um 19 Uhr im Schiersteiner Rathaus ändern.


Krembergstraße wird Tempo-30-Zone

Kaum vorstellbar, aber in der Krembergstraße durfte Tempo 50 gefahren werden. Und da mancher tut, was man grundsätzlich darf, auch wenn es gegen jede Vernunft ist, haben Anwohner der Krembergstraße den Ortsbeirat darum gebeten, hier für eine Verkehrsberuhigung zu sorgen. Der Ortsbeirat beantragte daher am 13. November 2024 die Prüfung zur Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone für die Krembergstraße (https://piwi.wiesbaden.de/antrag/detail/3381164).

Die Stadt fand das nicht gut und lehnte die Verkehrsberuhigung im März 2025 ab (https://piwi.wiesbaden.de/dokument/v/3466320). Begründung: Die Krembergstraße müsse „durch ihre besondere Gestaltung den Eindruck vermitteln, dass die Aufenthaltsfunktion überwiegt und der Fahrzeugverkehr eine untergeordnete Rolle spielt“. Es sei aber so, dass der motorisierte Verkehr den öffentlichen Raum in der Krembergstraße dominiere, daher sei ein Umbau erforderlich, den die Stadt aber nicht vornehmen werde. Stattdessen wäre die Einrichtung einer Tempo-30-Zone in der gesamten Krembergstraße eine sinnvolle Alternative, teilte die Stadt mit.

Also beantragte der Schiersteiner Ortsbeirat bei der Stadt die Einrichtung einer Tempo-30-Zone (https://piwi.wiesbaden.de/antrag/detail/3468588) – das war im April 2025. Und nicht mal ein halbes Jahr später (kann man auch mal positiv erwähnen) kam die Antwort der Stadt: Machen wir!

Vielleicht stehen die neuen Tempo-30-Schilder ja schon an beiden Ein- bzw. Ausfahrten der Krembergstraße, wo sie laut einer verkehrsrechtlichen Anordnung vom Herbst 2025 aufgestellt werden sollten.


Ortsbeirat ehrt EKS und Hafenschule

In Schierstein ist es üblich, dass der Ortsbeirat zum Jahresende Bürgerinnen und Bürger für besondere ehrenamtliche Verdienste um den Ortsteil ehrt. In diesem Jahr weicht der Ortsbeirat von dieser Tradition erstmals ab und ehrt keine einzelnen Personen, sondern die beiden Schulgemeinschaften von Erich Kästner- und Hafenschule. Read more


Westfeld: Moderate Randbebauung?

Voten der Ortsbeiräte Schierstein und Dotzheim spielen im Beschlussvorschlag der Stadt zum Regionalplan keine Rolle.

Kooperationsfraktionen schlagen Verhandlungen mit den „neuen“ Ortsbeiräten zu „moderater Bebauung“ nach der Kommunalwahl vor.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Bau entscheidet heute in seiner Sitzung darüber, wie die Landeshauptstadt Wiesbaden zur Neuaufstellung des Regionalplans Südhessen Stellung nimmt. Diese Entscheidung betrifft unter anderem auch die Zukunft der Perspektivfläche West (Westfeld) zwischen Schierstein und Dotzheim.

Die Ortsbeiräte der beiden Stadtteile hatten zuletzt mit Beschlüssen vom 2. Juli 2025 klar gemacht, dass sie eine Bebauung ablehnen. Die Ortsbeiräte hatten schon zuvor die Stadt mehrfach und klar dazu aufgefordert, die Flächen im Westfeld uneingeschränkt so zu belassen, wie sie aktuell sind (vornehmlich Landwirtschaft, Gartenbau und Freizeitgärten).

Entgegen den Voten aus den betroffenen Ortsteilen bleibt die Stadt bei ihrem Kurs, im Westfeld Gewerbe- und Wohnbauflächen einzurichten. Dazu soll der Regionalplan weiter aufgeweicht werden. Die Beschlüsse der Ortsbeiräte spielen in der jetzt vorgelegten und für heute zur Abstimmung stehenden Stellungnahme der Stadt keine Rolle. Selbst die eindeutige Warnung des städtischen Umweltamtes vor einer umfänglichen Bebauung – vorgetragen in der gemeinsamen Sitzung der beiden Ortsbeiräte am 2. Juli 2025 – wird in der vorgelegten städtischen Stellungnahme zum Regionalplan noch nicht einmal thematisiert.

Ein Antrag der Kooperationsfraktionen der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung (SPD, Grüne, Linke und Volt) sieht diese Vorgehensweise der Stadt zumindest kritisch und behauptet, dass die Ortbeiräte Schierstein und Dotzheim sich

„einer moderaten Randbebauung in deutlich geringerem Umfang nie gänzlich verschlossen“

hätten. Das trifft zumindest für den Ortsbeirat Schierstein bis zum heutigen Tag nicht zu. Der Ortsbeirat hat immer einstimmig über alle Fraktionen (Zukunft Schierstein, CDU, SPD und Grüne) gefordert, die Flächen uneingeschränkt und mit allen seinen Funktionen zu erhalten. Ob das mit neuen Mehrheiten und anderen Fraktionen nach der Kommunalwahl so bleibt, ist natürlich fraglich.

Die Kooperationsfraktionen beantragen – wahrscheinlich auch vor dem Hintergrund der Kommunalwahl im März –, dass der Magistrat die Zeit bis zur zweiten Offenlegung des Entwurfs des neuen Regionalplans nutzen solle,

„um auf die betroffenen Ortsbeiräte Schierstein und Dotzheim zuzugehen und ein, mit Blick auf eine etwaige moderate Bebauung der Perspektivfläche West, mehrheitsfähiges Konzept zu entwickeln. In der Abwägungsentscheidung zu einer möglichen Gewerbeentwicklung ist die Existenzsicherung der ansässigen Gartenbaubetriebe einzubeziehen. Bis dahin soll der Status der Perspektivfläche als „Vorranggebiet für besondere Klimafunktion“ nicht angepasst werden“.

Wir können davon ausgehen, dass dieser Antrag in der heutigen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Planung und Bau beschlossen wird. Was eine „moderate Randbebauung“ sein soll und wie sich dazu die neu gewählten Ortsbeiräte ab März 2026 positionieren, bleibt abzuwarten.


Stadt antwortet dem Ortsbeirat nach Jahren auf Fragen zum Osthafen – Teil 2: Vermarktung und "Osthafen-Platz"

Im Oktober 2022 stellte der Ortsbeirat Fragen zum Osthafen. Unter anderem, wollte das Gremium wissen, welche Grundstücke die Stadt vermarkten konnte, seit dem Beschluss im Stadtparlament am 17. September 2020, den Osthafen zu bebauen.

Wörtlich antwortet Dezernent Andreas Kowol auf unsere Frage von vor drei Jahren:

„Für die im Eigentum der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden befindlichen Grundstücke hat seit 2023 eine Marktansprache erfolgt. Das Grundstück für die Teilfläche SO3 konnte 2025 an den Projektentwickler PockrandtManagement GmbH veräußert werden.

Der Vermarktungsprozess ist aufgrund des weiterhin schwierigen Marktumfeldes noch nicht vollständigabgeschlossen. Für die Teilflächen SO1 und SO2 finden ebenfalls Vermarktungsgespräche statt, sind aber derzeitnoch nicht abgeschlossen. Im Juni 2025 konnte ein Letter of Intent für den Verkauf der Teilfläche SO 1 unterschrieben werden, die Ankaufsprüfung ist aber noch nicht abgeschlossen.“

Darstellungen aus einem Exposé der SEG Wiesbaden zum Osthafen.

Außerdem wollte der Ortsbeirat im selben Antrag wissen, wann die Weiterentwicklung der Hafenpromenade am Osthafen geplant ist. Hier sind laut dem im September 2020 beschlossenen Bebauungsplan z.B. Verkehrsberuhigungen vorgesehen: Vom Ortskern kommend soll der Rad- und Fußweg an der Promenade bis zum Bootskran ausgebaut werden. Außerdem sollen an der Promenade vor den Baugrundstücken 18 neue Bäume gepflanzt werden. Auch der Bereich der Kreuzung an der Hafenpromenade sollte für die Freizeitnutzung in Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern von Schierstein aufgewertet werden. Erste Ideen dazu bietet auch das Rhein-Main-Ufer.Konzept.

Aus dem Rhein-Main.Ufer-Konzept

Hierauf antworte der Dezernent:

„Fragen in Verbindung mit einem Um- und Ausbau der Hafenpromenade sowie dem daran anschließenden Kreuzungsbereich Hafenpromenade/Hafenweg und die Anbindung dieser Stelle an die Rheingaustraße können ausschließlich durch den Straßenbaulastträger – Tiefbau- und Vermessungsamt – beantwortet werden, in dessen Zuständigkeitsbereich sich diese Abschnitte befinden.“

Vom Straßenbaulastträger – Tiefbau- und Vermessungsamt – hat der Ortsbeirat allerdings bis heute keine Antwort bekommen. Zur Erklärung: Der Ortsbeirat kann seine Anträge ausschließlich an den Magistrat der Stadt Wiesbaden richten, der dann die Beantwortung in der Stadt veranlasst.


Stadt antwortet dem Ortsbeirat nach Jahren auf Fragen zum Osthafen – Teil 1: Eiserner Steg

Im Oktober 2025 erhielt der Ortsbeirat Antworten auf Fragen, die er in Anträgen vom 13. September 2023 und 12. Oktober 2022 gestellt hatte. Die um zwei bzw. drei Jahre „verzögerte Antwort“ bat der für die Stadtentwicklungsgesellschaft SEG zuständige Dezernent Kowol zu entschuldigen.

An dieser Stelle geben wir die Antwort des Dezernenten wieder zu

Antrag 23-O-22-0029, Osthafen und Zusatzvereinbarung [alle Fraktionen] vom 13. September 2023: https://piwi.wiesbaden.de/antrag/detail/3175535

Konkret wollte der Ortsbeirat wissen, ob der „Eiserne Steg“ als Durchwegung entlang der SCHUFA zwischen Kormoranweg und Dieter-Horschler-Promenade noch nachträglich barrierefrei hergestellt werden kann.

Dezernent Kowol antwortet hierauf, dass die Fläche von der Stadt an die Schufa veräußert wurde und im Kaufvertrag lediglich die Herstellung der Durchwegung vereinbart sowie das Recht zur Nutzung des Weges gesichert wurde. Die Errichtung eines barrierefreien Zugangs wurde hierbei nicht verhandeIt.

Der Dezernent nutzt seine Antwort leider nicht, um eine lösungsorientierte Richtung einzuschlagen. So geht er z.B. nicht darauf ein, ob noch mit der SCHUFA nachverhandelt werden kann, um die Barrierefreiheit zu erreichen oder wenigstens, ob es technische Möglichkeiten gibt, die Stufe zwischen Fahrradweg und Eisernem Steg anzugleichen bzw. andere pragmatische Lösungen.

Diese mögliche Lösung hatte der Ortsbeirat der Stadt bereits 2022 vorgestellt.

Er erläutert außerdem, die aktuelle Vertragslage regele, dass der Weg zusammen mit der Bebauung realisiert werde. (Anmerkung: Die Bebauung am Kormoranweg steht schon seit Jahren.)

Weiter heißt es in der Antwort: „Ich nehme Ihren Beschluss aber zum Anlass, die SEG prüfen zu lassen, ob die Verbindung zur Rheingaustraße zumindest provisorisch geöffnet werden kann.“

Rheingaustraße? Der Ortsbeirat wollte klären, ob der Weg vom Kormoranweg zur Promenade noch barrierefrei gestaltet werden kann. Ein barrierefreier Weg von der mehrere hundert Meter entfernten Rheingaustraße, an der auch üblicherweise nur wenige Spaziergänger zu finden sind, hilft uns hier wenig weiter. Vielleicht muss der Schiersteiner Ortsbeirat das nochmal genauer darstellen und erhält dann hoffentlich früher Antwort.

Resümee:

Der Ortsbeirat hat also zwei Jahre auf eine Antwort gewartet, die niemanden weiterbringt. Weder den Ortsbeirat, noch die betroffenen Bürgerinnen und Bürger und damit auch nicht die Stadt.

Teil 2 folgt bald.


Rheingaupalais als Schulstandort: Beim Denkmalschutz verrechnet?

Die zuständige Denkmalschutzbehörde hat das Rheingaupalais, in das die Erich Kästner-Schule im Jahr 2030 nach einem Umbau umziehen soll, jüngst untersucht. Dabei sei aufgefallen, dass einige Umbauten im Gebäude durch die bisherigen Nutzer, die dort ab dem Jahr 2010 Büros eingerichtet hatten, wohl nicht ganz denkmalschutzkonform umgesetzt worden seien. Konkret entdeckten die Denkmalschützer nun hinter Leichtbauwänden denkmalschutzwürdige Innenwände, berichtete ein Vertreter des Schulamtes bei der Sitzung des Ortsbeirats am Mittwoch, 5. November. Damit habe man so nicht gerechnet. Aber eine Einsparung von 30 Mio. Euro sei realisierbar gegenüber der Sanierung und dem Neubau der EKS am bisherigen Standort in der Zehntenhofstraße. „30 Mio. Euro? Es war doch im Frühjahr 2025 von 50 Mio. Euro Einsparungen die Rede“, hakten die Ortsbeiratsmitglieder nach. Vielleicht habe er auch die Zahlen jetzt nicht so ganz präsent, erwiderte der Vertreter des Schulamtes, der vom Schuldezernenten extra in den Ortsbeirat entsandt worden war, um über den Stand der Dinge bzgl. der Schiersteiner Schulen zu berichten.

Wie berichtet traf die Stadt bereits im Frühjahr dieses Jahres „im Schweinsgalopp“ die Entscheidung, die Erich Kästner-Schule nicht am alten Standort neu zu bauen. Die Planungen für den Neubau der EKS waren damals bereits so gut wie fertig, ein Interimsstandort für die Bauphase gefunden, doch man gehe davon aus, dass die veranschlagten Kosten sich auf 150 Mio. Euro summieren würden, statt der bisher veranschlagten 100 Mio. Euro. Zu teuer, so der Schul- und gleichzeitig Finanzdezernent Schmehl.

Statt Einsparpotenziale durch ein neues Raumprogramm am Standort der EKS zu prüfen, überraschte das Schuldezernat den Ortsbeirat und die Schule zum Jahreswechsel 2024/2025 mit der Nachricht, dass die Wiesbadener Stadtentwicklungsgesellschaft SEG eine Lösung habe: der Erwerb und Umbau des seit Jahren zum Verkauf stehenden mehr als 100 Jahre alten Rheingaupalais an der Söhnleinstraße. Damit könnten 50 Mio. Euro gespart werden.

Die Stadtverordneten entschieden sich mehrheitlich für den Vorschlag von SEG und Schuldezernent, aber damit auch gegen das einstimmige Votum des Schiersteiner Ortsbeirats, der auf die Prüfung von Einsparpotenzialen am Standort drängte und die EKS in der Zehntenhofstraße halten wollte.

Skeptisch war der Ortsbeirat auch, weil die Stadt den Denkmalschutz zum Zeitpunkt der Entscheidung  über den Kauf und Umbau des Rheingaupalais noch nicht mit eingebunden hatte. Zu dieser Skepsis sah der Schuldezernent offenbar keinen Anlass, der bei einer Sondersitzung des Ortsbeirats Ende März 2025 erläuterte, dass nur das Äußere des Palais, Fassade und Fensteranordnung, zu beachten sei. Das Gebäude könne ansonsten entkernt und wie ein Rohling auf die Bedürfnisse des Schulbaus angepasst werden, indem man neue Wände einziehe.

Statt eines Rohlings entdeckte die Stadt nun die denkmalgeschützten Innenwände hinter vorgebauten neuen Wänden. Was das konkret für die Planung der Schule im Altbau Rheingaupalais bedeutet, wie sich das auf die angestrebten Einsparungen auswirkt und ob sich das Schuldezernat nur beim Denkmalschutz verrechnet hat oder es vielleicht noch andere Überraschungen in dem riesigen alten Gebäude zu entdecken gibt, werden wir sicher irgendwann erfahren.


Umzug und Neubau der Hafenschule verzögern sich um weiteres Jahr

Die Hafenschule wird nicht – wie geplant – zum Schuljahresbeginn 2026/2027 das Interim am Saareck (ehemalige Tennisplätze zwischen dem Sportplatz von Schierstein 13 und dem  Jugendplatz) in Schierstein beziehen können. Der ganze Prozess, und damit auch der Neubau der Hafenschule, verzögert sich voraussichtlich um ein ganzes Jahr.

Die Gründe dafür lägen bei der WiBau, die mit dem Projekt beauftragt wurde, erklärte ein Vertreter des Schulamtes am Mittwoch, 5. November 2025, in der Schiersteiner Ortsbeiratssitzung. Die WiBau sei aufgefordert worden, die Gründe detailliert darzulegen. Bisher habe die städtische Gesellschaft nur erläutert, dass zusätzliche Anträge gestellt werden müssten, weil die Interimsanlage dreistöckig gebaut werden soll.

Dieser Umstand ist allerdings schon länger klar und der Interimsbau für die Hafenschule wäre auch nicht die erste Containeranlage in Wiesbaden, die dreistöckig entsteht.

Wie die Sicht der WiBau auf diese Vorwürfe ist, dass sie für die Verzögerung verantwortlich sei, konnte in der Sitzung nicht geklärt werden, da von dort kein Vertreter anwesend war.

Die Schulleiterin der Hafenschule bezeichnete die Verzögerung in der Sitzung am Mittwoch als Schock für die Schulgemeinschaft. Nicht nur, dass die Schule nun noch ein Jahr länger an dem zunehmend sanierungsbedürftigen Standort ausharren müsse, ab 2026 sollte die Schule zudem verpflichtend in ein anderes Betreuungsmodell wechseln. Das kann die Hafenschule aber unter den jetzigen räumlichen Bedingungen nicht leisten. Denn die Schule ist an zwei Standorten untergebracht: in der Zehntenhofstraße sowie im mindestens zehn Gehminuten entfernten Fritz-Brüderlein-Haus in der Saarstraße, in dem die Betreuung stattfindet und in das seit 2015 auch immer wieder einzelne Schulklassen ausgelagert werden.

Der Vertreter des Schulamtes kündigte zwar an, die Schule werde mit Geld für Personal unterstützt, doch die Schulleiterin erwiderte, dass die Schule das Geld zwar gerne annehme, es gebe aber keine Menschen, die die notwendigen Betreuungszeiten ab 7.30 Uhr auffangen könnten. Dazu müssten nämlich entweder Betreuer nur für die kurze Zeit der Frühbetreuung gefunden werden oder Lehrerstunden in die Betreuung umverteilt werden. Diese Lehrerstunden fehlten dann aber wiederum für den regulären Unterricht.

Einzige Lösung aus Sicht der Hafenschule sei, dass sie trotz des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung, der ab 2026 gilt, vorerst im bisherigen Betreuungsmodell bleibt. Damit könnte zwar keine Frühbetreuung vor der Schule, aber auf jeden Fall die Nachmittagsbetreuung für alle Kinder, die einen Platz benötigen, abgedeckt werden kann.

Der Haken daran liegt bei der Stadt, die dann auf Bezuschussungen durch das Land Hessen verzichten müsste, die es nur noch gibt, wenn das neue Betreuungsmodell umgesetzt wird. Das aber kann die Hafenschule aus den genannten Gründen nicht.

Der Schiersteiner Ortsbeirat unterstützt die Hafenschule mit der Forderung, das alte Betreuungsmodell vorerst beizubehalten, bis die Schule den Interimsstandort beziehen kann und somit nur noch auf einen Standort angewiesen ist. Das Gremium hat hierzu einen einstimmigen Beschluss getroffen, der umgehend an die Stadt übermittelt wurde.


Ein Zebrastreifen für Schierstein

Juchhu! Wir bekommen einen Zebrastreifen in der Rheingaustraße auf Höhe zur Gartenstadt.

Die Freude darüber ist sehr ernst gemeint! Wir brauchen diesen Zebrastreifen, um einen sicheren Überweg für alle zu haben, die nicht die beiden gut 400 Meter voneinander entfernten Ampelanlagen bei Tegut und Penny bzw. an der Kreuzung Reichsapfelstraße/Wasserrolle benutzen wollen.

Dazu kann es ja gute Gründe geben. Zum Beispiel wenn man von der Turnhalle in der Ehrengartstraße kommt und gegenüber in die Gartenstadt möchte. Oder wenn demnächst oder irgendwann (hoffentlich) die Grundschulkinder der Hafenschule zu ihrem vorübergehenden Schulstandort am Saareck laufen – und zurück. Also wirklich: Super! Es wurde Zeit, dass dieser Zebrastreifen eingerichtet wird.

Wobei „Zeit“ ein gutes Stichwort ist, um anhand dieses Zebrastreifens zu beschreiben, wie so ein „Fußgängerüberweg“ in Schierstein entsteht – und zwar bzgl. der politischen Wege, die dafür zurückzulegen sind.

Spoiler – der Entstehungsprozess zieht sich über fast 5 Jahre:

3. März 2021: Der Ortsbeirat Schierstein beantragt, die Einrichtung eines Fußgängerüberweges an der Querungshilfe in der Rheingaustraße in Höhe der Emil-Dietz-Straße zu prüfen – https://piwi.wiesbaden.de/dokument/v/2575684

24. April 2021: Das Verkehrsdezernat antwortet, dass zunächst „Erhebungen zur Verkehrsstärke des KFZ-Verkehrs und der Fußgängerfrequenz“ durchgeführt werden müssen – https://piwi.wiesbaden.de/dokument/v/2693971

6. Juli 2021: Die angekündigte Verkehrszählung auf der Rheingaustraße in Höhe der Emil-Dietz-Straße am vorhandenen Fahrbahnteiler zur Prüfung der Einrichtung eines Fußgängerüberwegs wird durchgeführt.

26. November 2021: Dem Ortsbeirat Schierstein wird das Ergebnis der Erhebung vom 6. Juli 2021 durch das Tiefbau- und Vermessungsamt mitgeteilt. Ergebnis: „Aufgrund der festgestellten Verkehrsdaten in der morgendlichen Spitzenstunde ist die Einrichtung eines Fußgängerüberwegs rechtlich möglich. Die Maßnahme wird in das Programm Verkehrsberuhigung / Fußgängersicherung aufgenommen.“

Daraufhin tut sich aber fast zwei Jahre nichts – zumindest nichts öffentlich Sichtbares. Der Ortsbeirat Schierstein stellt darum erneut einen Antrag am

13. September 2023: Der Ortsbeirat beantragt, einen Fußgängerüberweg (FGÜ) an der Querungshilfe in der Rheingaustraße, Höhe Emil-Dietz-Straße, einzurichten – https://piwi.wiesbaden.de/dokument/v/3177494

5. Januar 2024: Der Ortsbeirat erhält eine Mitteilung des Verkehrsdezernenten, der darüber informiert, dass die Planung für den Fußgängerüberweg erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Umsetzung sei für 2024 vorgesehen.

10. Juli 2024: Das Tiefbau- und Vermessungsamt legt dem Ortsbeirat eine Sitzungsvorlage vor, mit der die Einrichtung eines Fußgängerüberwegs in der Rheingaustraße beschlossen werden soll – https://piwi.wiesbaden.de/sitzung/detail/3221264/tagesordnung/oeffentlich?dokument=v3331639

Der Ortsbeirat stimmt zu, genauso wie am 12.9.2024 der Mobilitätsausschuss, am 18.9.2024 der Finanzausschuss und am 26.9.2024 die Stadtverordnetenversammlung.

Und dann tat sich wieder über ein Jahr nichts – zumindest nichts öffentlich Sichtbares.

24. Oktober 2025: Die Stadt kündigt per Pressemitteilung die Einrichtung des Fußgängerüberwegs an der Rheingaustraße an und beschreibt die damit einhergehenden Verkehrseinschränkungen. Die Baumaßnahmen für den neuen Überweg sollen bis zum 21. November dauern – https://www.wiesbaden.de/pressemitteilungen/pressereferat/2025/oktober/251024-Fussgaengerweg

27.10.2025: Die Baustelle für den Fußgängerüberweg wird eingerichtet. Innerhalb nur eines Tages werden zwei vorübergehende Zebrastreifen auf der Rheingaustraße aufgebracht und eine entsprechende Beschilderung aufgestellt.

Wenn alles klappt, hat die Umsetzung des Projekts "Fußgängerüberweg Rheingaustraße" dann vom ersten Antrag am 3. März 2021 bis zu seiner Fertigstellung am 21. November 2025 insgesamt 4 Jahre und 9 Monate gebraucht. Und dabei handelt sich hier nur um einen Zebrastreifen.

Falls jetzt noch jemand Fragen hat, wann die Spielfläche unter der Schiersteiner Brücke eingerichtet wird, wann die Einzeichnung des Bürgersteigparkens vorgenommen wird oder sogar, wann denn endlich die Schiersteiner Schulen saniert bzw. neu gebaut werden: Immer daran denken, ein Zebrastreifen dauert fünf Jahre. Multipliziert mit der Größe oder Komplexität anderer Projekte, kommt man da leicht auf mehrere Jahrzehnte Bearbeitungszeit.


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